Hej då Schweden!

Hej då Schweden!

Nun ist sie fast vorbei, unsere Zeit hier in Lappland.
Wir sind hier in Schwedisch-Lappland, genauer gesagt in Galåbordana in der Berg-Kommune im Jämtland, Zwei Monate haben wir hier im Galå Fjällgård (http://www.gala-fjallgard.com/ [unbezahlte Werbung]) Housesitting gemacht.
Unser Job war es, auf dem Hof immer wieder nach dem Rechten zu sehen und die Häuser zu heizen, damit nichts auskühlt. Ab und an waren Gäste da, die uns hier in der Einsamkeit Gesellschaft geleistet haben. Die meiste Zeit jedoch waren wir alleine. Die erste Zeit war es vor allem Nachts ein komisches Gefühl. Man achtet wirklich auf jedes Geräusch, dass man nicht kennt. Aber mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt.

Sascha war eine echte Bereicherung hier in der Einsamkeit. Foto mit freundlicher Genehmigung von Sascha

Galå Fjällgård befindet sich auf dem Fäbodwägen, einem Almenweg mit etwa 30 Almen. Bewohnt sind diese Almen derzeit kaum, und wenn, dann doch eher am Wochenende.
Der nächste bewohnte Ort Börtnan ist 12 km entfernt. Somit ist absolute Ruhe vorprogrammiert. Nur der Galån ist manches Mal zu hören, besonders wenn er viel Wasser mit sich trägt. Ringsherum ist Wald. Alter Wald. Flechten, Moose, alte Bäume und nicht zuletzt die riesigen Ameisenhaufen zeugen davon, dass der Wald wirklich alt ist. Neben vielen Meisen und Auer- sowie Schneehühnern sind es vor allem die Rentiere, denen man hier begegnen kann. Es gibt ausreichend Wanderwege. Moosbewachsene Wanderwege, die über Wurzeln, längst umgefallenen Bäumen und Mooren führen. Ist das Gebiet zu sumpfig, kommt man über Holzstege weiter. Der Wald ist dicht mit Nadelbäumen und Birken gesät. Manchmal knackt es irgendwo, man schreckt etwas auf und auf einmal fliegt ein Auerhahn auf.

Flechten, wohin man schaut…wie in einem Märchenwald

Wenn dann noch Wassertropfen daran hängen…wie wunderschön!

Ab und an trifft man auf Lichtungen, auf denen wir schon einige Mal Rentiere gesehen haben. Fällt das Sonnenlicht in den Wald, fühlt man sich in eine Märchenwelt versetzt. Man sucht die Trolle, Feen und Elfen. Bei genug Fantasie sieht man sie auch, wie sie im Lichtschein hin und her huschen. Wie schön!

Verwunschene Welt – das Zuhause von Elfen und Feen

Jetzt, wo die Nachttemperaturen im zweistelligen Minusbereich und die Tagestemperaturen nicht über den Gefrierpunkt kommen, sieht man Tausende, wenn nicht sogar Millionen von Diamanten auf den Gräsern liegen. Alles glitzert, der Wald mit seinen Puderzucker-übersäten Bäumen, dann die Diamanten in den Gräsern. Eine wunderbare Eiswelt. Die kleinen Bäche, die die Wege kreuzen, sind teilweise gefroren. Die Holzstege an den Bächen sind gefährlich glatt. Aber es ist ein fantastischer Anblick, der sich uns hier bei den eisigen Temperaturen bietet.

Wenn man so weit von der Zivilisation entfernt ist, muss man vor allem vorausschauend planen. Einkaufen ist hier in der Einsamkeit nicht einfach so erledigt. Wir kauften im nächstmöglichen Supermarkt in Svenstavik ein. Der ist aber nicht gleich um die Ecke, sondern liegt ganze 47 km von uns entfernt. Die 47 km sind bereits eine Abkürzung durch den Wald. Auf den Waldwegen kommen wir meist nicht schneller als 50km/h voran. Der Weg ist teilweise katastrophal – Schlaglöcher über Schlaglöcher, die schon mit Kies zugeschüttet wurden, aber beim nächsten Einkauf wieder genauso schlecht sind. Nicht nur auf Schlaglöcher muss man immer ein Auge haben, auch muss man auf Tiere Acht geben. Rentiere, die gerade am Rand nach Flechten suchen, Auerhühner, die neugierig mit einem Mal am Straßenrand hervorluken. Hunde, die mit Sendehalsband auf der Straße laufen (während der Jagdzeit). Auf Elche muss man immer gefasst sein, obwohl es sie aufgrund der Jagd scheinbar gar nicht mehr zu geben scheint. Aber wenn man mal einen zu Gesicht bekommt: die rennen einfach auf die Straße bzw. den Weg. Auf einmal sind sie da. Das haben wir anderswo schon so erlebt. So schnell wie sie auf der Straße sind, sind sie meist auch wieder weg. Also, mit all diesen Tieren rechnet man. Doch einmal standen Rinder auf dem Weg. Kolosse von Rindern! Wir mussten fast Schlängellinie fahren, um sie nicht zu rammen. Sie bleiben einfach stehen, gucken – kommen aber nicht auf die Idee, Platz zu machen.
Eineinhalb Stunden später – auf dem Rückweg – holen die Sami die Rinder zurück. Sie müssen ausgebüxt sein. Eigentlich sind Rinder hier tatsächlich draußen im Wald, aber nicht mehr im Winter. Ein anderes Mal stand eine Herde Schafe da. Man muss hier auf alles gefasst sein und das ist das Schöne daran 🙂

Hier werden die Rinder von einem Sami wieder nach Hause getrieben

Dass Schweden nicht billig ist, weiß
man eigentlich. Aber so manches Mal müssen wir wirklich schlucken,
wenn wir die Preise sehen. Ganz besonders beim Dieselpreis – der ist
nicht der günstigste. Der Rekord an der nächsten Tankstelle lag
hier bei 1,64 Euro (umgerechnet).

Die Rekordtemperatur war am 29.10. bei -19 Grad
Der höchste Schneetiefe war während unserer Zeit hier knapp 17 cm, also für hiesige Verhältnisse doch recht wenig.

Seit Anfang September ist Jagdzeit, mit
Unterbrechung von etwa 3 Wochen. Gejagt werden hauptsächlich Elche.
Aber auch das Federwild, wie Auerhühner werden bejagt. Kein Wunder,
dass man zur Zeit kaum noch Elche und relativ wenig Auerhühner
sieht. An Wochenenden meiden wir es, mit Nelly im Wald spazieren zu
gehen.

Rentiere sieht man hier noch relativ
oft, aber auch nicht unbedingt in ganz unmittelbarer Umgebung. Bis
eines Tages tatsächlich hier ein Ren auftauchte. Es blieb zwei ganze
Tage hier auf dem Grundstück. An einem Morgen war es einfach da, hat
uns zur Kenntnis genommen, uns aber nicht als „Feind“ betrachtet.
Wir konnten nah genug heran, um Fotos zu machen. Ein Erlebnis! Am
nächsten Morgen lag eine Geweihstange auf dem Grundstück. Die
musste von Olof (so hatten wir das Rentier inzwischen genannt) sein.
Kurz darauf habe ich Olof selbst auf dem Grundstück gesehen – ganz
ohne Kopfschmuck. Er blieb noch den ganzen Tag, schaute kurz auf,
wenn wir unsere Runden drehten. Am nächsten Morgen war er dann weg.
Was für eine tolle Erfahrung! Die zweite Geweihstange haben wir
einen guten halben Monat später hinter einer der Hütten im Wald
gefunden.

Olof am ersten Tag – noch mit Geweih

Olof am zweiten Tag – ganz ohne Kopfschmuck

Winterfütterung ist auch hier ein Thema. Meisen und Eichhörnchen bekommen hier tagtäglich ihre Ration Futter, dass hauptsächlich aus Sonnenblumenkernen besteht. Ist es zu kalt, habe ich noch Haferflocken beigemischt. Die Eichhörnchen sind ziemlich gewitzt. Sitzen sie doch im Futterhaus, sobald neues Futter drin ist. Die Meisen hat es nur anfangs gestört. Nun holen sie sich dennoch ihre Ration ab. Ab und an lassen sich auch Unglückshäher am Futterhaus sehen.
Die Meisen, aber auch die Eichhörnchen, haben sich mittlerweile schon so sehr daran gewöhnt, dass sie aus allen Himmelsrichtungen angeflogen und -gelaufen kommen, sobald ich pfeife. Das macht richtig Spaß. An drei Tagen konnten wir auch ein Mauswiesel unterhalb des Futterhauses sehen. Es war ebenfalls nicht scheu – im Gegenteil: es war total neugierig und hat immer geschaut, was wir machen.

Unter dem Futterhäuschen

Vor allem Sumpf- und Kohlmeisen waren am Futterhaus, manchmal kamen ein paar Haubenmeisen dazu

Wenn man schon in den hohen Norden fährt, hat man auch die Hoffnung, Polarlichter zu sehen.Und wir hatten tatsächlich das Glück, sie zu sehen! Einmal nur, aber immerhin! Es ist irre sowas live mitzuerleben. Es ist ein absolutes Erlebnis! Lars hatte vorher nie Polarlichter gesehen. Ich lediglich einmal vor zig Jahren aus dem Flugzeug heraus. Wir kamen aus dem Staunen und „Wow“ und „boah“ nicht mehr heraus. Lars sind tolle Bilder davon gelungen.

Aurora Borealis

Ein Erlebnis!

Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus

Und der Sternenhimmel! Schon allein dieser lohnt den Weg in den hohen Norden. Kein Streulicht, nichts! Sterne pur, inklusive Milchstraße und den Sternbildern, die man auch von zu Hause kennt. Es ist einfach fantastisch!

Jetzt, wo es auf den Dezember zugeht, sind die Tage merklich kurz. 8:36 Uhr geht die Sonne auf, schon um 15 Uhr geht sie wieder unter. Die Sonne schafft es in dieser Zeit nicht mehr, über die umstehenden Bäume zu kommen. Die Sonne trifft kaum noch den Boden. Durch die eisigen Temperaturen in den letzten Tagen haben wir hier eine kleine Eiswelt.

Eis behindert teilweise den fließenden Galån

Nun haben wir unsere Sachen gepackt.
Jetzt heißt es Abschied nehmen. Es war eine tolle Erfahrung hier in
der Einsamkeit, haben nette Menschen kennengelernt, konnten tolle
Natur genießen.

Was die Zukunft bringt, wissen wir
nicht. Aber wir hoffen, dass unsere Wege nochmals hier her nach
Schweden führen.

Schweden macht süchtig – Schweden
ist einfach wunderbar!

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